Montag, 15. Juli 2013

Lineare Medien: Der Spannungsbogen

Die Kunst, den Leser/Zuschauer/Spieler/Nutzer in eine Geschichte zu reißen, liegt unter anderem in einem meisterhaft gestalteten Spannungsbogen und dieser kann so aussehen:



Eine Figur, für die der Konsument Sympathie empfindet, wird in einen großen Konflikt gegeben und soll als veränderte Person aus der Geschichte gehen. Ein Spannungsbogen ist selten linear. Besonders in den Meistergenres der Spannung (Thriller, Horror) gibt es eine Menge Ruhepausen, falsche Sicherheit, gezwungene Untätigkeit des Helden, um die Nerven des Betrachters/Lesers so richtig zu spannen und den Konflikt stärker wirken zu lassen.

Gehen wir von einem 120-seitigen Drehbuch aus, bei dem eine Seite etwa einer Minute Bühnenhandlung entspricht, so besteht Akt 1, die Exposition, aus etwa 30 Seiten, Akt 2: Konfrontation oder Mitte aus Seite 31-90 und die Auflösung: Akt 3 oder Ende aus Seite 91-120.

Exposition

In der Exposition lernt der Zuschauer das Setting kennen. Er wird mit dem Genre, den Figuren und ihren Zielen, bzw. dem Hauptziel vertraut gemacht.
Am Ende der Exposition (1) steht der Wendepunkt, an dem der Protagonist die Konfrontation aufnimmt.

Konfrontation

Spannung entsteht durch unsere Angst um den Protagonisten und auch daraus, dass wir mehr wissen als die handelnden Figuren. Im Hauptakt geht der Protagonist den Konflikt an, stößt auf Hindernisse. In besonders eng geknüpften und sehr spannenden Werken zielen sämtliche Subplots und jede einzelne Szene auf die Verschärfung und Lösung des Hauptkonfliktes hin, auch wenn das auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist.
In manchen Werken gibt es den trügerischen midpoint - die Ruhe vor dem Sturm. Hier meint der Protagonist, eine Lösung für den Konflikt gefunden zu haben. Der Leser weiß zu dem Punkt immer noch mehr als der Protagonist (danach häufiger nicht mehr) und sieht, dass diese Lösung nicht von Dauer sein kann.
Am Ende des 2. Aktes (2) befindet sich die Hauptfigur am Tiefpunkt. Die vermeintliche Lösung hat nicht funktioniert, die Figur ist am Ende der Kräfte, alles scheint aussichtslos.

Auflösung

Manchmal zögert ein retardierendes Moment den finalen Showdown noch einmal hinaus, lässt Leser und Protagonist noch einmal tief Luft holen, um den großen Knall lauter hallen zu lassen. Der Konflikt wird im Klimax aufgelöst. Die Subhandlungen kommen ebenfalls zu einem schlüssigen Ende und unsere Hauptfigur geht gestärkt, gereinigt, verändert aus der Handlung hervor.

Aristoteles nannte diesen Aufbau in seinem Werk Poetik bereits das Kompositionsprinzip: Anfang, Spannung, Klimax, Auflösung und Katharsis. Am deutlichsten wird dieser Bogen in erzählenden linearen Medien (Film, Hörspiel, Theater, Buch...), aber auch gute Zeitungsartikel, Argumente, Songs und Musikstücke, musikalische Themen können diesem groben Entwicklungsbogen folgen.


Die klassische, auf einen Protagonisten gemünzte Spannungsliteratur folgt gerne dem Modell der "Heldengeschichte" - der Hero's Journey. Diese spiegelt die Stationen des Helden wieder und kann hier nachgelesen werden.


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