Donnerstag, 17. Oktober 2013

Von der Idee zum Konzept: Dramatische Kniffe


Ausführende Agentur: TBWA/PHS Helsinki
Quelle: Youtube

In diesem Spot für den Young Directors Award stimmt alles. Setting, Wetter, Farben, Besetzung, Dialog. Wir nutzen das Video als Beispiel, um ein paar der gängigsten Drama-Stilmittel in diesem Artikel aufzuzeigen.


Ziel des Spots:
Auf den Young Directors Award aufmerksam machen.
Gelingt das? Und ob! Je höher unsere emotionale Reaktion ist, desto mehr haben wir das Bedürfnis, das gesehene mit anderen Menschen zu teilen. Wenn der Spot dann auch noch kurz ist und diese Reaktion bei einer breiten Zielgruppe hervorruft, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man das Video verteilt. 
Warum ist der Spot so wirkungsvoll? Das klischeebehaftete Setup wird gnadenlos entgleist und baut innerhalb einer Minute so viel Spannung und so viele Fragen auf, dass man einfach mehr wissen muss.
Aufgelöst wird der Spot nicht - die Fragen bleiben. Und gleichzeitig die Einsicht, wie spannend gut gemachtes Drama sein kann.


Unsere Unterhaltung kommt von dem Eindruck, dass das Kind seine Opferrolle spielt. Wäre das Kind tatsächlich Opfer einer Menschenhändlerin, wäre der Spot nicht witzig. Die einheitlichen Farben, der Liebevolle Blick der Mutter zum Anfang des Spots, die harmlose, ungezwungene Beschäftigung des Kindes (Zeichnen), wiegen uns in der Sicherheit, dass das Kind am rechten Fleck ist.
Wer traut einem seitengescheitelten, rehäugigen Kind in diesem Alter zu, eine derart durchtriebene und gefährliche Lüge einer Autoritätsfigur gegenüber zu präsentieren, die das Leben der Mutter schmerzhaft verkomplizieren wird? In diesem krassen Kontrast zum gewohnten Handlungsverlauf und der Erwartung, liegt Humor und Spannung.

Cliffhanger

- Ein Spannungsmoment, dessen Auflösung auf sich warten lässt.
Hier: Wie geht die ganze Handlung aus? Wo finden wir Informationen? Gezeigt wird die Internetadresse des Awards.
Ein Cliffhanger wird sehr gerne vor Werbepausen oder am Ende einer Serienfolge eingesetzt, um den Zuschauer zurückzuholen. Bei Reality-Formaten werden kurze Clips aus dem Abschnitt zwischen den nächsten Werbepausen + dem Ende gezeigt. Wichtig ist, den Zuschauer bei episodenhaften Medien trotzdem zufrieden zurückzulassen - die wichtigen Fragen der jeweiligen Episode geklärt zu haben.


Retardierendes Moment


- Ein (meist überraschendes) Ereignis, das die finale Auflösung nochmals hinausschiebt und unsicher macht.
Hier (kaum ausformuliert): Polizist zögert, bis das Kind das Hilfe-Schild hochhält.


Foreshadowing / Vorwegnahme


- Szenen werden manchmal durch Wiederholung und/oder Symbolhaftigkeit betont. Beim Foreshadowing sehen wir bestimmte Einstellungen (Ort, Komposition, wiederkehrende Sätze), die später im Verlauf erneut aufgegriffen und häufig mit mehr Bedeutung aufgeladen werden. Eine Figur, die eventuell früh während der Handlung ausscheidet, ist auf einem vorigen Gruppenphoto etwas abseits der Gruppe platziert; Träume warnen die Hauptfiguren und versetzen uns in einen Zustand der Spannung, wenn Elemente eines Alptraumes real werden usw.
Foreshadowing finden wir in dem Clip nicht direkt. Eventuell kann man anhand des Fluches der Frau ahnen, der im Vergleich zur sehr artigen Innenausstattung des Wagens und der Szene unerwartet derbe ausfällt, dass die Geschichte nicht so harmlos ist. 


Break of the 4ths Wall

- Figuren brechen aus ihrem dramatischen Rahmen aus, häufig sprechen sie direkt zu ihrem Publikum.
Im Comic sind es die Momente, in denen die Figur ihr Panel verlässt. In diesem Clip schaut uns das Kind am Ende direkt an, fast als ob es unsere Reaktion direkt miterlebt.
Dieser Kniff wird gerne dann genutzt, wenn die Figuren von außen das Geschehen ihrer Welt betrachten, wenn der Zuschauer direkt zum Nachdenken über das ganze dramatische Konstrukt aufgefordert wird. Die Gründe der Anwendung sind vielfältig. Gemein ist jeder Anwendung, dass die Auflösung des Zuschauers in der Handlung zwingend beendet wird: Wir sind uns in diesem Moment bewusst (die Figuren der Handlung häufig auch), dass wir ein Theaterstück/einen Film schauen, ein Comic oder ein Buch lesen. 
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Teaser und Tag


- Teaser: Kleine in sich geschlossene Eröffnungsszene
Beispiel: Häufig in James Bond Filmen, um das ganze Repertoire der Figuren und den Stimmung zu zeigen. Besonders gelungen ist ein Teaser, wenn er für die Haupthandlung nicht einfach herausgeschnitten werden kann.
- Tag: Anhängsel nach eigentlichem Ende der Handlung
Die Hand, die am Ende von Zombiefilmen aus dem Grab bricht...

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