Dienstag, 17. Dezember 2013

13 Autoren-Tipps von Chuck Palahnuik

Artikelzusammenfassung von LitReactor's Blogeintrag

Diese 13 Tipps sind Teil eines Schreibworkshops, an den man kostenpflichtig auf Lit Reactor teilnehmen kann. (Mehr Infos gibts hier)

Chuck Palahnuik's bekanntestes Werk ist Fight Club. Seit einigen Jahrzehnten erreichen seine düsteren, schockierenden und zynischen Werke Bestsellerstatus, werden verfilmt, geliebt und gefürchtet. Aus seinem reichen Erfahrungsschatz als Autor legt er auf Lit Reactor anderen Autoren und Hobbyisten 13 Ratschläge ans Herz, die er selbst Teil seiner Arbeit werden ließ:
Dieser Eintrag ist eine Zusammenfassung der wunderbar beschriebenen Ratschläge. 

1. Die Eieruhr

Wenn man keine Lust zum Schreiben hat, sollte man eine Eieruhr auf 30 Minuten stellen, sich hinsetzen und anfangen. Wenn man nach 30 Minuten immer noch keine Lust hat, an seiner Geschichte zu schreiben, hat man eine Stunde Freizeit. Normalerweise ist man nach 30 Minuten aber so tief im Schreibwerk, dass ans Aufhören erst einmal nicht zu denken ist. Schreiben ist Hirnarbeit. Wenn man einmal stecken bleibt, soll es helfen, etwas hirnloses, aktives zu machen: Wäsche aufsetzen, Staub wischen. Irgendwann hat sich das Hirn wieder ausgerenkt. 




2. Unterschätze dein Publikum nicht.


Experimentiere ruhig mit Erzählstruktur und Zeitsprüngen. Auch Film mutet seinen Zuschauern immer mehr zu, einfach strukturierte Geschichten, die ihr Publikum unterschätzen, werden schnell für langweilig gehalten. Außerdem ist es viel schwerer, das Publikum zu schocken, als man sich jemals vorstellen kann.

3. Szenenskelett 

Bevor du eine Szene ausschreibst, solltest du sie mehrfach im Kopf durchgehen und dir klarmachen: Wofür ist diese Szene gut. Welche früheren Storymomente profitieren von dieser Szene, wie kann ich darauf später Szenen aufbauen? Während du alltäglicher Arbeit nachgehst, solltest du nur diese Fragen im Kopf haben und Notizen machen. Erst wen du das Skelett deiner Szene hast, solltest du sie schreiben. Geh nicht ohne etwas im Kopf an den Rechner und quäle deine Leser durch Szenen, in denen nichts oder wenig passiert.

4. Überraschung

Deine Arbeit wird dich selbst (und auch deine klugen Leser) anöden, wenn du eingetretene Pfade auslatscht. Lass dich von deiner Geschichte an einen Ort bringen, der dich begeistert und überrascht.

5. Vergrabene Kanonen

Wenn du mal nicht weiter weißt, geh zurück und lese frühere Szenen. Schau nach, ob du Charaktere oder Details aufgreifen kannst, mit denen du bis dato noch nicht weitergearbeitet hast. 

6. Party!

Benutz Schreiben als Ausrede, jede Woche eine Party zu veranstalten. Kannst die Party ruhig "Workshop" nennen. Schreiben ist eine dröge Angelegenheit, einsam, allein vor dem Rechner und jede Abwechslung unter Menschen, die auch gerne schreiben oder das Schreiben unterstützen, wird dir eine gute Balance geben. Am Ende deines Lebens wirst du nicht voll Freude auf die Zeit vor dem Rechner zurückschauen.

7. Unwissen

Versuche, dir Unwissen zu bewahren. Dieser ewig gültige Ratschlag zielt darauf ab, deine Geschichte über längere Zeit reifen zu lassen und dir den Spaß an der Arbeit zu lassen. Eigentlich musst du nur wirklich wissen, was in der nächsten oder den nächsten paar Szenen passiert. Wenn du jeden Schritt bis zum Ende austariert hast, wird dich die Ausarbeitung anöden.

8. Charaktere sind nicht du

Wenn du in deiner Story mehr Atemraum brauchst, mehr Skizzenfreiraum: Ändere Charakternamen. Deine Charaktere sind nicht real und nicht du. Mit Veränderung von Namen kannst du Abstand herstellen, den du brauchst, um deiner Figur etwas anzutun. Manchmal brauch deine Story auch den großen Delete-Button und so sehr du manche Charaktere liebst: Manchmal hilft es, sie zu löschen.

9. Sprachstile

Es gibt drei Arten von Sprachstilen (ob das so stimmt, möchte Herr Palahnuik nicht unterschreiben, ihm hilft aber diese Kategorisierung): Beschreibend, instruierend, expressiv.
Beschreibend: "Die Sonne stand hoch am Himmel."
Instruierend: "Geh, renne nicht."
Expressiv: "Aua!"
Viele Autoren nutzen nur eine, maximal zwei dieser Stile. Nutze alle drei! Mix sie! Anderes ist geschriebene Sprache, nicht wirkliche Sprache.

10. Schreib das Buch, das du selbst lesen willst.

11. Photos

Lass heute Fotos für Buchrücken von dir anfertigen. Noch bist du jung. Und besorg dir das Copyright und die Negative zu diesen Fotos.

12. Betroffenheit

Schreibe über Dinge, die dich wirklich bewegen, dich wütend machen, die dir am Herzen liegen. Das Leben ist zu kurz, um über Dinge zu schreiben, die zu lahmen, konventionellen Stories führen.

13. Der Autor

Chuck Palahnuik erzählt zur 13 eine Geschichte. An dieser Stelle gebe ich nur eine sehr einfache Interpretation wieder und lege dem Leser sehr ans Herzen, den ganzen Artikel und besonders diesen Punkt noch einmal in Herrn Palahnuiks lockeren und mit persönlichen Erfahrungen gespickten Sprache zu lesen.
Am Ende bleibt vom Autoren nur sein Werk und egal, ob wir den Autoren für einen "brotlosen Verlierer" oder "begnadeten Virtuosen" halten, das Werk ist, was von für ihn spricht.


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