Dienstag, 14. Oktober 2014

III Finanzierungsmodelle für Nachrichten: Paywalls

Die Errichtung von Paywalls stellt eine weitere Möglichkeit zur Monetarisierung digitaler Inhalte dar. Drei Arten von solchen Bezahlschranken können bei Online-Zeitungen unterschieden werden: 
  1. Das gesamte Angebot eines Online-Portals ist kostenpflichtig. Entweder können einzelne Artikel erworben werden oder ein Abonnement verschafft dem User Zutritt zum Gesamtangebot.
  2. Metered-Paywall: Bei diesem Konzept entschließt sich ein Online-Portal dazu, nur eine bestimmte Menge seiner Artikel kostenlos anzubieten. Alle weiteren Beiträge müssen bezahlt werden.
  3. Freemium-Paywall: Dieses Modell teilt das jeweilige Angebot in einen Basis- und einen Premiumbereich. Hierbei sind exklusive Berichte, umfangreiche Artikel sowie Zusatzmaterial kostenpflichtig, alle anderen Beiträge sind frei zugänglich.

  

The New York Times Paywall is working!“
(11.05.2014, Deric Daugherty)


 
The New York Times Paywall is not working!“
(11.05.2014, Michael Moore)

Obwohl das Paywall-Konzept der New York Times überwiegend als erfolgreich gilt, gehen die Meinungen teilweise auseinander. In diesen beiden Videos wird der Werdegang der New York Times seit der Errichtung der Paywall analysiert und unterschiedlich bewertet, obwohl sich beide Beiträge auf den selben Bericht des Harvard Business Review beziehen. 

Nachdem das 2005 eingeführte Freemium-Modell der New York Times scheiterte, da sich nicht genügend Leser für die Exklusivmöglichkeiten begeistern ließen, führte die Online-Zeitung im März 2011 eine Metered-Paywall ein. Dabei können zehn Artikel im Monat kostenfrei gelesen werden, weitere Beiträge müssen bezahlt werden. Diesbezüglich informierte die Neue Zürcher Zeitung Ende 2013: „Die Zeitung hat inzwischen 727 000 Online-Abonnenten, 28 Prozent mehr als im Vorjahr, und sie erzielt 54 Prozent ihrer Erlöse durch Abonnements. Vor zwei Jahren waren das noch 45 Prozent.“ Weiter betont die NZZ aber, dass sich ein solcher Erfolg nicht ohne weiteres in anderen Sprachräumen etablieren kann. Ein internationales Publikum von knapp 30 Millionen Menschen wird von der New York Times erreicht. Außerdem hat die Online-Zeitung in zahlreichen Blogs, Foren und diversen Medienveranstaltungen Stellung zu ihrer Paywall-Methode bezogen und somit ihren Lesern begreifbar gemacht, warum Qualitätsjournalismus viel Geld kosten muss – ein Zeichen gegen die Gratiskultur im Internet-Zeitalter.  


 The New York Times Company: Umsatzwachstum nach Einführung der Paywall.
http://de.statista.com/infografik/884/wachstum-der-vertriebserloese-der-new-york-times/ 





Mittlerweile wird auch in Deutschland mit Paywalls experimentiert. Onlinegebühren werden hierzulande bei der Bild fällig. So berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass seit Juni 2014 verschiedene Abonnements erworben werden können. Die Palette reicht von fünf bis 15 Euro monatlich und umfasst digitale Zusatzangebote bis hin zu Gutscheinen für die Printversion der Zeitung. Das Freemium-Modell nennt sich BILDplus und unterzieht exklusiven Artikeln, Hintergrundinformationen und Fotos einer Bezahlschranke. Zusätzlich sollen Printkäufer einen Tagespass erhalten und somit Zugriff auf sämtliche Angebote von BILDplus erhalten. Laut FAZ nimmt der Springer-Verlag derzeit 37 Prozent, was 3,3 Milliarden Euro entspricht, seines Gesamtumsatzes mit Online-Angeboten ein.

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Als erste Regionalzeitung führte Ende 2012 die Braunschweiger Zeitung eine Paywall ein. Anfangs wurde eine Metered-Freemium-Modell verwendet, bei dem 15 Artikel pro Monat kostenlos gelesen werden konnten. Allerdings ließ sich dieses System durch die Entfernung von speziellen Cookies umgehen. Demnach war die Bezahlschranke brüchig und es stießen nur etwa sechs Prozent der Leserschaft an die Gratisgrenze. Letztendlich entschied man sich für eine strikte Paywall. Nur noch Wetterberichte und Anzeigen sind kostenlos zu sehen, alles weitere muss bezahlt werden. Ein Monats-Abo kostet 19,90 und ein Tagespass 1,5 Euro. Außerdem erscheinen die Artikel der Zeitung nicht mehr bei Google News. Werbung für das eigene Blatt wird nun auf anderen Kanälen gemacht wie beispielsweise im Radio. Seit dem stiegen die Visits des Online-Portals um 27 Prozent.

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Auch der Kölner Stadt-Anzeiger entschied sich, seine digitalen Inhalte kostenpflichtig anzubieten. Mittels einer Metered-Paywall sind nur noch sieben Artikel pro Monat gratis. Ein Monats-Abo kostet 9,90 Euro, wobei Printabonnenten nur die Hälfte zahlen. Bisher bewährt sich die Methode, 21.000 Nutzer haben sich bereits registriert, von denen 75 Prozent Neukunden sind. Dies lässt darauf schließen, dass das neue Bezahlsystem vor allem eine neue und moderne Leserschaft anzieht. 

Ob Paywalls dauerhaft erfolgreich sein können, wird sich erst nach einiger Zeit herausstellen. Sichtbar ist dennoch bereits jetzt, dass eine Zunahme von Paywalls das Bezahlverhalten der Konsumenten von Online-Nachrichten im Internet allmählich verändert. So berichtete die NZZ: „Der Digital News Report 2013 des Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität Oxford belegt, dass etwa zehn Prozent der Nutzer in Deutschland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien und in den USA bereits für digital übermittelte Nachrichten in der einen oder anderen Form bezahlt haben. Das ist ein Drittel mehr als im Vorjahr.“


Quellen und weiterführende Links:

Meera Selva und Stephan Russ-Mohl (nzz.ch): Geschäftsmodelle für den Online-Journalismus, Erst zahlen, dann lesen. 19.11.2013, 05:30

Axel Springer führt Bezahlmodell für „Bild“ im Internet ein (faz.net). 27.05.2013, 18:00


Bjoern Czueslik: "Braunschweiger Zeitung" dichtet Paywall ab. 03.07.2014, 07:23

David Hein (horizont.net): Paid Content: "Kölner Stadt-Anzeiger" senkt die Bezahlschranke. 03.07.2014

Panel: Bezahlschranke - bezahlen oder Schranke? (Medientage München 2013, medienportal.tv). 20.10.2013




 

1 Kommentar:

  1. Hierzu ein Link zu einer aktuellen Studie mit einer Übersicht und Kommentierung der von den europäischen Verlagen genutzten Erlösmodelle: http://www.horizont.net/medien/nachrichten/Studie-zu-Erloesmodellen-Europaeische-Verlage-setzen-auf-Digital-131749

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