Mittwoch, 15. April 2015

Deutsch im Geschäftsalltag: Knallig und Klar!

"Deutsch für junge Profis" von Wolf Schneider ist mittlerweile ein Standardwerk. Kurz und knagick gibt der Autor auf 180 Seiten praktische Ratschläge für gutes Deutsch im Alltag.

Ein paar dieser Ratschläge geben wir euch hier weiter.


Ein großer Wortschatz ist genau das: Ein Schatz. Angeeignet über Jahre durch aufmerksames Lesen. Martin Luther gilt als ein Meister unserer Sprache: Luther kommt zum Punkt. Weitere von Wolf Schneider empfohlene Autoren sind Heinrich Heine, Büchner, Brecht, Böll, Kafka, Kleist und Schiller.

Spezifisch bitte

Meinen wir "Säbel", schreiben wir "Säbel" und nicht "Schwert", "Stichwaffe", "Waffe" oder "Stahl." Wenn möglich, nutzen wir die spezifischste Untergruppe, um etwas zu benennen.

Ein Text bleibt besser in Erinnerung, wenn wir ihn nicht nur auf rationaler Ebene wahrnehmen. Als besonders passendes Beispiel wählt Schneider "Gewürz". Wie viel mehr werden andere Sinnebenen angesprochen, wenn stattdessen von "Zimt" und "Nelken" die Rede ist! Selbst wenn der Autor wirklich nur "Gewürze an sich" meint, sollte er überlegen, durch eine kleine Aufzählung eine tiefere Verknüpfung zum Leser herzustellen .

Pars pro Toto

Ein Teil des Ganzen - so sehr unsere Sinne mit einer Gewürzaufzählung angeregt werden, statt nur "Gewürz" zu schreiben, kann man die Zeit des Lesers nicht mit unendlichen Aufzählungen strapazieren. Empfohlen wird also, mit zwei Worten vom jeweiligen Ende des Spektrums aufzuwarten. Was gibt es alles in der Gartenabteilung?" "Alles Grünzeug - von Stiefmütterchen bis zum Affenbrotbaum."

Bewusste Redundanz und Füllwörter

Man sollte zweimal überlegen, ob man ein Füllwort wirklich braucht. Das grundsätzliche Streichen von Füllwörtern oder durch Dopplung erreichter Betonung leert einen Text zu einem reinen Informationsstück. Wo das gewünscht ist, sei dies das Ziel. Ein reiner Informationsfluss kann Leser jedoch ermüden. Strategisch platzierte Füllwörter sorgen dafür, dass Informationen besser hängen bleiben.
Redundanz und Füllwörter können Missverständnissen vorbeugen. Aus dem vorigen Absatz: Ja, ist reine Information jetzt in Ordnung, wird doch empfohlen? Der folgenede Satz "Ein reiner Informationsfluss kann Leser jedoch ermüden." wird erst durch das "jedoch" zu einer Warnung, was reiner Informationsfluss mit dem Leser macht. Sonst stünden zwei sich widersprechende Aussagen hintereinander.
Redundanz hilft, abstrakte Information greifbar zu machen. Als Beispiel wird eine Nachrichtenmeldung über Regenwaltabholzung auf 7 Millionen Hektar gewählt. Wer in seinem Alltag nichts mit Hektar zu tun hat, hat keine Vorstellung von dieser Größe. Nachdem der Autor in eine bekanntere Größe umgewandelt hat (70 000 Quadratkilometer) steht man immer noch vor einem Abstraktum. Mit "Etwa die Fläche von Bayern", bekommt das Ganze einen greifbaren Bezug.

Weiter gehts im nächsten Beitrag mit "Dem guten Satz".

Hauptquelle:
Deutsch für junge Profis, Wolf Schneider, Rowohlt, Berlin, 1. Auflage März 2010



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