Samstag, 7. März 2015

Dramaturgie: Leitthema

Emotion, Idee, Prämisse
Das Erzählen von Storys ist die schöpferische Demonstration von Wahrheit. Eine Story ist der lebendige Beweis einer Idee, die Umwandlung einer Idee in Handlung.  Robert McKee, Story

McKee sagt: drück deine Idee in einer Story aus, aber erklär sie nicht. Wenn ein Leser die der Story innewohnende Erfahrung durchlebt, braucht er nicht vorgeschrieben zu bekommen, was er fühlt und was er lernt.

Die ästhetische Emotion

Mehrfach sprachen wir an, dass zu einer als gut empfundenen Erzählung auch ein der Erzählwelt geneigter Leser gehört:
Was bringt die beste Komödie, wenn der Leser ein Griesgram ist! Allgemeiner gesprochen muss die in der Geschichte verbogene Erfahrung den Leser berühren.
Aristoteles beschrieb die Diskrepanz zwischen einem im Drama beschriebenen Tod und dem Finden eines tatsächlichen Toten. Laut Aristoteles nehmen wir Kunst in erster Linie intellektuell wahr, während etwas unmittelbar Erlebtes erst einmal unsere Gefühle anspricht.
Der Moment, in dem einer Story gelingt, uns ähnlich tief zu berühren - ob in Trauer oder Schock, aber auch in Rührung, Freude und anderen Gefühlen - wird als ästhetische Emotion bezeichnet.
Sie hat nicht nur eine unterhaltene Bedeutung, es geht darum, den Leser auf Erfahrungen vorzubereiten; ihn so sehr in den Bann zu ziehen, dass das Storygeschehen sein Leben beeinflussen kann.
Diese mitunter erschütternden Erfahrungen bleiben mit dem Leser und sorgen häufig dafür, dass eine Erzählung immer wieder erlebt wird.

In einer gut erzählten Geschichte werden intellektuelle Themen, große (und kleine) Ideen transportiert - idealerweise aber nicht durch trockenes Auflisten der Fakten, sondern über in Prosa gegossene Emotion. Beim Leser kommt viel mehr an, wenn die Geschichte emotional wahrgenommen und mit Bedeutung aufgeladen wird. Unser Leben ist chaotisch und wir erzählen uns selbst Geschichten, um eine als gerecht empfundene Ordnung wahrzunehmen. Geschichten geben uns Genugtuung, wenn das ihrer Welt innewohnende Rechtsverständnis erfüllt wird.
Dabei geht es nicht darum, den Leser mit Emotionen zu überladen: Ein Bewusstseinsstrom an Emotionen gleicht eher einer Tirade als einer guten Story - es geht beim erzählerischen Umwandeln darum, die intellektuelle Idee und die Emotion zu verschmelzen.

Die Prämisse und die Beherrschende Idee

Die Prämisse ist der Auslöser der Erzählung, der Gedankensprung, der dem Autoren den Stift in die Hand drückt. Häufig ist eine Prämisse eine Frage in Richtung: Was wäre, wenn... Die Prämisse passt in einen Satz. Die schwächste Kreatur bringt die mächtigste Waffe ins Herz des Bösewichtes. (Herr der Ringe). Die Beherrschende Idee wird in der Literatur (S. Frey) teilweise fest mit der Prämisse verschmolzen. McKee unterscheidet dagegen zwischen dem Anstoß zu erzählen (eine interessante Fragestellung) und der beherrschenden Idee, die bei Herr der Ringe wäre: Kameradschaft trumpft das Böse, weil Freundschaft wichtiger als Macht ist. Frey besteht darauf, dass eine beherrschende Idee in jedem Satz, in jeder Szene zu tragen kommt, dass man alles aus dem Roman werfen sollte, was diese Idee nicht unterstützt. McKee bezeichnet die Prämisse dagegen als einen Anstoß, der aber jederzeit umgeworfen werden kann, wenn es einer guten Story dient. Die beherrschende Idee wird erhalten bleiben.

Die beherrschende Idee setzt sich dabei aus einem Wert (positive / negative Ladung) und einer Ursache zusammen. In einer klassischen Columbo-Folge lautet die beherrschende Idee: Die Gerechtigkeit wird wiederhergestellt (Wert), weil der Ermittler gerissener ist als der Verbrecher. Anhand dieser Idee kann man jede Szene abklopfen und herausfinden, wie sich der Protagonist verhalten wird, um dieser Idee gerecht zu werden.


Quellen
1: Robert McKee, Story, Die Prinzipien des Drehbuchschreibens, Alexander Verlag Berlin, (1997), 8. Auflage 2013

Marcus Johanus: 5 Fragen und Antworten zur Prämisse, https://marcusjohanus.wordpress.com/2012/12/29/5-fragen-und-antworten-zur-pramisse/  aufgerufen am 28. 2. 2015

J. Frey, Wie man einen verdammt guten Roman schreibt, H J Emons, 1997, 1. Auflage

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