Dienstag, 31. März 2015

V Klassische Dramaturgie: Gustav Freytags fünf-Akt-Modell

Im Jahr 1863 publizierte Gustav Freytag sein dramaturgisches Theoriewerk Die Technik des Dramas. Es beinhaltet ein Modell für einen fünfaktigen Dramenaufbau, welches als eine Art Rezeptur für ein gelungenes Theaterstück galt.

Dramaturgische Struktur von "Romeo und Julia" nach Gustav Freytags fünt-Akt-Modell  
(Kanal von Mr. Bruff, 28.02.2013)

Es handelt sich bei Freytags Modell um eine nachträgliche Konzeptualisierung bereits vorhandener geschlossener Regeldramen. Durch ihn wurde der Begriff eines „pyramidalen Aufbaus“ des theatralen Spannungsverlaufes geprägt.

                        Pyramidialer Spannungsbogen eines klassischen Dramas nach Gustav Freytag                               http://magic-point.net/fingerzeig/literaturgattungen/drama/drama-freytag/Drama.gif


Im Einzelnen charakterisieren sich die Akte wie folgt:

  1. Exposition: die Figuren werden vorgestellt, der bevorstehende Konflikt wird bereits deutlich
  2. Steigende Handlung: die Situation wird komplizierter / erregendes Moment: Verschärfung des Konfliktes
  3. Höhepunkt: der Konflikt erreicht seine maximale Ausprägung / Peripertie: die glücklichen Umstände des Helden verkehren sich ins Negative
  4. Fallende Handlung: der Ablauf verlangsamt sich / retardierendes Moment: die Katastrophe wird noch einmal extra entschleunigt
  5. Katastrophe: es wendet sich alles zum Guten oder Schlechten

Jeder Akt unterliegt zusätzlich einer eigenen Mikrostruktur. Am Ende eines Aktes werden zumeist Zwischenakte eingeführt, um den Zuschauern eine kurze Verschnaufpause zu gönnen, damit das Gesehene besser verarbeitet und reflektiert werden kann. Außerdem geschehen hier Umbauarbeiten des Bühnenbildes.

Auch im einzelnen Akt soll eine geschlossene Struktur vorherrschen, sodass ein Gedanke oder ein Handlungsmoment von seinem Entstehen bis zu seiner Weiterführung ausgereift wird. Die Aufgabe eines jeden Aktes ist die Beibehaltung der Spannung.

Das Drei-Akt-Prinzip für Syd Fields Drehbuchdramaturgie stellt eine verkürzte Version von Freytags Modell dar.

http://i0.wp.com/drama-blog.de/wp-content/uploads/2013/04/Paradigm.jpg%3Fresize%3D400%252C198

  1. Exposition (¼ der Filmlänge): die Figur wird in ihrem Umfeld dargestellt, Hintergrundinformationen bzw. Vorgeschichte, Einführung in die Problematik / Plotpoint: Handlungsverlauf unterbricht für einen Wendepunkt
  2. Konfrontation (½ der Filmlänge): ein äußerer oder innerlicher Konflikt kommt zum Vorschein / Midpoint: unerwartetes Ereignis, welches den Konflikt schürt und eine neue Richtung vorgibt
  3. Auflösung (¼ der Filmlänge): der Konflikt wird geklärt
 
 
Quellen und weiterführende Links
 
Gustav Freytag: Die Technik des Dramas. Autorenhaus: Berlin, 2003. (Bearbeitung von Manfred Plinke)
 

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