Samstag, 25. April 2015

II CSR: Besonderheiten für Medienunternehmen

Medien nehmen im Bereich des CSR einen besonderen Stellenwert ein und lassen sich in drei Bedeutungskategorien unterteilen.
  1. Von Unternehmen wird gefordert, dass sie ihr Handeln transparent und öffentlich medial gegenüber der Gesellschaft kommunizieren. 
  2. Zusätzlich wird von den Medien verlangt, dass sie unabhängig und kritisch über Unternehmen berichten. 
  3. Letztendlich besitzen Medienunternehmen als wirtschaftliche Agitatoren eine generelle Verantwortung gegenüber ihrer Umwelt so wie andere Konzerne auch. 

Ulrich Wickert zu "Macht und Verantwortung der Medien"
(Forum K'Universale, Journalistische Kolloquium, Katholische Universität Eichstätt Ingolstadt, 31.10.2013)


Achim Halfmann, Geschäftsführender Redakteur der CSR NEWS GmbH, hat sich im Besonderen mit der Verantwortung von Medienunternehmen in seinem Artikel „CSR der Medienunternehmen: Es gibt viel zu tun!“ beschäftigt. Er schreibt, dass sich Unternehmen vor allem in Krisensituationen bewähren und weiterhin verantwortungsvoll handeln müssen. Bekanntermaßen steckt die Medienbranche derzeit im Umbruch, wie bereits in unserer Reihe über Finanzierungsmodelle für Online-Nachrichten gezeigt wurde.

Investigativer Qualitätsjournalismus ist kostenintensiv und kann mittlerweile oftmals von den Medienhäusern finanziell nicht mehr geleistet werden. Die Verantwortung gegenüber einer angemessenen Entlohnung von Journalisten und die Gewährleistung einer unabhängigen qualitativen Berichterstattung, die sich auf Informationen aus erster Hand begründen und nicht etwa ein Zusammentragen anderer Quellen darstellt, ist folglich gefährdet. Man bemerke in diesem Zusammenhang, dass Reporter häufig auf die Berichte größerer Agenturen zurückgreifen wie etwa der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und sie dadurch vermeintliche Fakten nicht mehr selbst verifizieren. In der Vergangenheit sind dadurch einige Falschmeldungen zustande gekommen, die von zahlreichen Zeitungen weiterverwertet wurden. Zum Beispiel wurde 2007 bei den Demonstrationen bezüglich des G-8-Gipfels in Heiligendamm der alternative Nobelpreisträger Walden Bello fälschlich zitiert. Er solle gesagt haben, dass eine friedliche Demonstration nicht zum Ziel führe.

Weiter informiert Halfmann, dass Medien oft als sogenannte „vierte Gewalt“ im Staat bezeichnet werden. Dazu zitiert er den Deutschen Pressekodex: „Verleger, Herausgeber und Journalisten müssen sich bei ihrer Arbeit der Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit bewusst sein.“ Medien stehen hierbei als Kommunikations- und Kontrollfunktion im Spannungsfeld von Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit im Fokus und bestimmen die Werte einer Gesellschaft performativ mit. Qualität, Glaubwürdigkeit, Unabhängigkeit und selbstständige Recherche sind Schlagwörter, die mit der Presse verbunden sind und für die es schwierig ist, geeignete, universale sowie bindende Kontrollparameter zu bestimmen. Dennoch bemüht sich der Pressekodex um konkrete Richtlinien, die hier nachgelesen werden können.

Außerdem stellt Halfmann ethische Fragen, die sich auf die Verantwortung der Medien beziehen: „Wie konkret darf Leid in Bildern porträtiert werden? Wann werden die Namen von Beteiligten genannt? Was gehört in den Privatbereich und wo beginnt der öffentliche Raum? Und welche Methoden der Recherche sind zulässig und angemessen?“

Nun sind es aber nicht nur inhaltliche Fragestellungen, die die Medien betreffen, sondern ebenso auch wirtschaftliche. Medienhäuser gelten als Kritiker der Gesellschaft, konsequent fragt daher Halfmann: „Doch wer kritisiert eigentlich die Kritiker?“ Hier sieht Halfmann eine Schwachstelle.

Positiv bewertet Halfmann, dass mittlerweile viele Medienhäuser sich ihrer ökologischen Verantwortung bewusst sind. Über die Verwendung von nachhaltigen Rohstoffen und die Verminderung von CO2-Emissionen wird umfassend debattiert. Charity-Projekte und Spendenaktionen sind ebenfalls beliebte CSR-Aktivitäten. Auf der anderen Seite bemängelt Halfmann allerdings den Umgang gegenüber den Mitarbeitern, vor allem Freiberufler sollen oftmals unter schlechten Arbeitsbedingungen leiden. Schwierig sei auch die CSR-Berichterstattung über andere Unternehmen. So geht Halfann davon aus, dass es sich oft um gekaufte Texte handelt, also eher Werbung statt unabhängigem Journalismus. Zusätzlich wird hauptsächlich über Banken, Dienstleistungsgesellschaften, Beratungsfirmen und Versicherungen berichtet, dahingegen aber kaum über produzierende oder rohstoffabbauende Unternehmen. Ein Problem könnte darin liegen, dass sich unter Journalisten nicht viele CSR-Experten finden lassen.

Für die Zukunft ist zu hoffen, dass sich Medienhäuser im Rahmen von CSR verstärkt nicht nur als kommunikatives Bindeglied verstehen, sondern auch sich selbst als wirtschaftliches Unernehmen wahrnehmen und ihre Verantwortlichkeit und Bemühungen im Bereich der Nachhaltigkeit transparent der Öffentlichkeit vermitteln.


Quellen und weiterführende Links

Achim Halfmann: CSR der Medienunternehmen: Es gibt viel zu tun! In: Kristin Vorbohle, Christoph Schank, Jan Hendrik Quandt (Hrsg.): Unternehmensverantwortung und Medien. München: Rainer Hampp Verlag, 2013. S. 53-57. [Commerzbibliothek, Online-Ressource]

Steffen Grimberg (taz.de): Vorm endgültigen Redaktionsschluss. 22.06.2010.

Matthias Karmasin (journalistik-journal): CSR in Medienunternehmen: ein zentraler Bestandteil gelingender Medienselbstkontrolle. 06.10.2010.



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