Freitag, 8. Mai 2015

Artikelzusammenfassung: Zeit.de über "Vice"

Originalartikel: "Vice": Ebola-Kannibalen in Liberia

Ausschnitte aus verschiedenen Vice-Reportagen, zu einem Trailer für den Kanal Vice News zusammengestellt.

Das Vice Reporterteam ist in Nordkorea, bei ISIS, in Kriegs- und Terrorzonen unterwegs. Das Vice Reporterteam schaut sich in Sekten und kontroversen Kliniken um, folgt bunten Figuren und lässt Betroffene und Agitatoren reden. Im Fall von "Conversion Therapy" (Die im Moment noch in 48 Staaten der USA legale "Therapie" Homosexuelle zu Heterosexuellen umzukonditionieren) kommen beide Seiten, sowohl Opfer, Politiker, Leute, denen diese Therapie geholfen haben soll, zu Wort.



Vice-Reportagen fühlen sich authentisch an, grad weil die Reporter sich in allgemein als extrem gefährlich geltende Gebiete begeben, extrem kontroverse Themen beleuchten und jeder Seite eine Stimme geben. Darüber vergisst man als Zuschauer selbst, dass Vice - wie jeder andere Nachrichtenbeitrag auch - selbst für den Final Cut sorgt und so die Reportagen entsprechend einfärben kann.

Eine Reportage über Männerrechtsaktivisten wird so zum beispiel mit naiv klingender Kindermusik und einem deutlich reißerischen Titel unterlegt und obwohl Vice selbst nicht kommentiert, wird ziemlich deutlich, welche Einstellung zum Thema besteht.

Der Zeit-Artikel beleuchtet, wie aus der kleinen Underground-Zeitschrift ein Multimilliaden Network um Nachrichten und Reportagen geworden ist und wieso die Rechnung aufgeht, wo andere vergleichbare Netzwerke einknicken.
Die Authentizität der Vice-Reporter ist hauptsächlich ihrer Dreistigkeit, ihrer Angst und ihrem teilweise grenzwertig legalen Verhalten geschuldet. Jemand, der SO etwas macht, kann doch nicht von außen beeinflusst werden! (Drogen nehmen, sich mit Verbrechern betrinken usw.)
Vice produziert in 30 Büros weltweit Inhalte für seine eigenen Formate, aber auch Spiegel Online, Zeit Online, 20s Century Fox, HBO und CNN. Trotzdem gelingt es Vice, nicht als traditionelles Medienunternehmen wahrgenommen zu werden.

Vice-Reporter betonen bei jeder Gelegenheit, keine Journalisten, sondern eher Zeugen zu sein. Sie wirken manchmal wie einfältige Touristen, die zufällig auf eine große Sache gestoßen sind und dank ihres unbedarften Auftretens nicht daran gehindert werden, die Kamera auf diese Sache zu halten. Wie du und ich, nur in Krisenregionen. Dabei gehen sie in unseren Augen erst einmal vorurteilsfrei an die Themen, was uns die Illusion gibt, unsere eigene Meinung bilden zu können (was wie weiter oben erwähnt durch Soundtrack, Schnitt und reißerische Titel nur bedingt gelingen kann.)
Zeit zitiert den Kulturanthropologen Mike McGovern auf die Frage, wieso viele Jugendliche ihr tagespolitisches Wissen eher von Vice als aus der New York Times ziehen:
"Vice kombiniert den rücksichtslosen, spätjugendlichen Vibe von Jackass mit der epistemologischen Visitenkarte der Anthropologie: Anwesenheit vor Ort."

McGovern arbeitete in Liberia, wo Vice für eine Ebola-Reportage unterwegs war. Vice sucht sich einen reißerischen Aspekt heraus und erweckt den Eindruck, dass Ebola über primitiv zubereitetes Ekelfleisch verbreitet wird, während der eigentliche Umstand deutlich komplexer ist (und die Übertragung von Tier auf Mensch nur ein einziges Mal stattgefunden hat).

Wer sich nur über Vice informiert, hat zwar ein paar Spannende Anekdoten mehr auf Lager, aber gut und wertfrei informiert ist man weiterhin nur, wenn man so viele alternative Quellen wie möglich zur Hilfe zieht.

Vice ist mit seinen reißerischen Themen, der relativ schlichten, sehr persönlichen Herangehensweise erfolgreicher den je. Traditionelle Medienunternehmen können einiges davon lernen. Das ganze mit gutem Journalismus gewürzt - das hat Zukunft!

Der Zeit-Artikel ist hier zu lesen: http://www.zeit.de/kultur/film/2015-04/vice-hbo-nachrichten (aufgerufen am 15.4.2015)

Vice Youtube-Portal: https://www.youtube.com/user/vice

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