Dienstag, 30. Juni 2015

Spiel: Her Story

Her Story ist ein narratives Krimi-Puzzlespiel, das sich nicht nur an Spieler, sondern besonders an Krimifans richtet und mit seiner besonderen intermedialen Erzählweise Grenzen überbrückt.

Trailer des englischsprachigen Spieles

Her Story wurde von Sam Barlow geschaffen - dem Schöpfer des Horrorspiels Silent Hill: Shattered Memories. Finanziert wurde es unter anderem durch den indie fund, der interessante low-budget Spiele unterstützt. Für nur 5 Dollar ist das komplette Spiel zu haben. Erschienen ist es im Juni 2015.

Her Story umfasst unzählige Clips, die zusammen sieben Polizei-Befragungen einer Frau ergeben. 1994 ist ihr Lebensgefährte verschwunden und nun ist es an dem Spieler - in der Rolle eines kleinen Ermittlers - neues Licht auf den eingestaubten Fall zu werfen. War es Mord? Wer ist der Schuldige? Hat seine Frau die Wahrheit gesagt?

Das Gameplay selbst beschränkt sich auf das Suchen in einer Datenbank, dem Erkunden eines alten Desktops und dem genauen Zuhören und klugen Verknüpfen einer Erzählkette. Die Videoverhöre kann man nicht in ihrer ganzen Länge anschauen, denn der alte Computer hat die Videos zerstückelt und ohne spezielle Reihenfolge gespeichert.

Startet man das Spiel, befindet man sich auf einem alten Desktop - inklusive einiger Effekte, die suggerieren, dass man sich selbst in einem Raum mit Halogenlampen befindet und auf einen sehr alten Monitor schaut. Diesen Effekt kann man ausschalten - verliert dann jedoch einiges an Stimmung. Der kleine Kniff trägt zur Immersion bei und gibt dem stummen Spieler selbst einen physischen Ort in der Geschichte.
Man kann nun die Datenbank nutzen, um nach Worten zu suchen, die irgendwann im Laufe des Interviews genannt wurden. Gibt man zum Beispiel "Murder" (Mord) ein, erscheinen vier Clips, in denen die Frau das Wort nutzt. Die Clips sind sehr kurz und können vom Spieler mit eigenen Notizen versehen werden.
Im späteren Verlauf des Spiels, taucht ein kleines Chatsymbol auf. Der Ermittler, der dem Spieler Zugriff auf den alten Computer gewährt hat, fragt dort, ob der Spieler herausgefunden hat, was wirklich passiert ist. Die Antwort entscheidet darüber, ob man weitersucht oder das Spiel "gewinnt", indem man den Fall auflöst.

Heutzutage ist es technisch kein Problem, Videos in Computerspiele einzubinden. Doch die nuancierte Darstellung und eine Datenbank zum Zentrum der Interaktion zu machen, hat es in dieser Form noch nicht gegeben.  Einige Kritiker meinen, dass es nicht genug Gameplay gibt - zu wenig Interaktion, doch vielleicht ist grade das, was auch Nicht-Spieler Krimifans dazu bringen könnte, in das Medium einzusteigen.
Im Transmedia-Bereich kommen häufiger Vlogs zum Einsatz. Das Nutzen von Videos an sich ist nichts neues, aber die reduzierte herangehensweise von Her Story schafft im Gegensatz zu einigen anderen interaktiven Transmediastories mehr Immersion und trotz der Nichtlinearität ein geschlosseneres Spielerlebnis.

Eine kluge Idee, gelungen umgesetzt und grade für Indie-Entwickler eine tolle Idee, eigene Geschichten kostengünstig umzusetzen.


Alle Quellen aufgerufen am 29. Juni 2015
http://www.herstorygame.com/
http://www.spiegel.de/netzwelt/games/her-story-im-test-interaktiver-krimi-nicht-nur-fuer-gamer-a-1040589.html
indie-fund.com/2015/05/indie-fund-now-backing-her-story/
http://www.pcgames.de/Her-Story-PC-260721/Tests/Test-Die-Gestaendnisse-einer-Moerderin-1163173/

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