Mittwoch, 26. August 2015

Der digitale Kiosk (Blendle)

In mehreren Artikeln haben wir festgehalten, wie sehr Print-Journalismus unter der Schnelligkeit digitaler Nachrichten leidet. Da ein Großteil der Nachrichten online kostenlos oder werbefinanziert abgerufen werden kann, experimentieren Magazine und Nachrichtenseiten mit Bezahlsystemen, die ihnen weiterhin gutes Journalistisches Arbeiten ermöglichen.

Das Wall Street Journal stellt den Dienst "Blendle" vor.


Pocketstory und Blendle sind zwei ähnliche und Konzepte, die seit kurzem oder in Kürze in Deutschland abrufbar sind: Hier kauft man einzelne Artikel aus größeren Zeitungen und Magazinen. Abgesehen davon, dass man auch wirklich nur das bezahlt, was einen interessiert, bekommt man die Inhalte technisch optimal für mobiles Lesen aufbereitet. Dabei konzentriert sich Pocketstory auf einzelne Artikel, während man bei Blendle jeden Inhalt eines Magazins abrufen kann.


Kauft man einen Artikel bei Blendle, wird einem der bezahlte Preis von 15 Cent (z.B. für eine Kurzmitteilung aus der Welt) bis 2,99 Euro für eine umfangreiche Reportagereihe dem Gesamt-Heftpreis angerechnet, sollte man sich für das ganze Magazin entscheiden. Blendle Gründer Alexander Klöpping glaubt, dass Menschen gerne für gute journalistische Inhalte zahlen, wenn es ihnen leicht gemacht wird. Anstelle auf 10 unterschiedlichen Seiten Monats- oder Jahresabos abzuschließen, kann man in seinem Dienst einen personalisierten Fächer zusammenstellen. Angelockt werden die meisten Nutzer durch große Zeitungen und Namen. Sobald sie das Angebot genauer unter die Lupe nehmen, profitieren sie von der großen Anzahl an kleinen Zeitungen.

Die Expansion von Blendle über die Grenzen der Niederlande hinaus ist unter anderem durch Investitionen des Springer Verlags und der New York Times möglich.
Die Angst, dass den Zeitungen wertvolle Abonnenten weglaufen, hat sich nicht bestätigt. Laut Klöpping richtet sich Blendle an eine andere Zielgruppe: Abonnenten einer bestimmten Zeitung unterstützen die Marke an sich und sind Fan der Arbeit dieses jeweiligen Medienhauses, während es bei Blendle eher um Interessengebiete geht. Leute, die über Blendle Artikel kaufen, würden nicht unbedingt ein Abo bei den verschiedenen Zeitschriften abschließen, sind aber bereit, für gute journalistische Arbeit zu zahlen.
Gleichzeitig wird darauf geachtet, einen bei Blendle gekauften Artikel genauso erscheinen zu lassen wie im Originalmagazin (höchstes technisch fürs Bildschirm-Lesen aufbereitet). Dies unterstützt die Glaubwürdigkeit der Inhalte und stärkt die Marke des ursprünglichen Anbieters.

Das Konzept Blendle funktioniert und kann sich gegen Giganten wie Google (mit Google News) und Apple durchsetzen, weil Blendle mit den Verlagen zusammenarbeitet und zusätzliche Ströme anbieten kann, während Google mit seinem eigenen Werbedienst eine Konkurrenz ist. Außerdem gliedert Google bei Google-News Nachrichten auch formell aus ihrem ursprünglichen Design und damit der ursprünglichen Marke aus.

Wie Nutzer sich für den Kauf eines Artikels entscheiden, ist unterschiedlich. Twitter und Facebook, die Webseite, App in Kiosk-optik, eingespeicherte Schlagworte, über die Nutzer per Mail informiert werden, sind einige Wege. Besonders interessant: Der Newsletter von Blendle generiert ebenfalls ein fünftel der Verkäufe. Anfangs hat Blendle mit einem automatisierten Algorithmus gearbeitet, der einen Newsletter über interessante Artikel erstellt und verschickt hat. Dieser Newsletter war nicht erfolgreich. Daraufhin stellte Blendle fünf Journalistik-Studenten ein, die zwischen 4 Uhr bis 8 Uhr alle verfügbaren Zeitungen nach guten Artikel durchforsten und jeden Tag um 8 Uhr einen Newsletter mit Empfehlungen herausgeben.

Alternativ gibt es Readly, die 9,99 Euro Monats-Flatrate für ein umfangreiches Magazinangebot. Aktuell kann man 1206 Magazine aus aller Welt lesen, inklusive älterer Ausgaben.


Quellen:

http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/blendle-ersteindruck-so-funktioniert-die-betaversion-a-1049012.html (aufgerufen am 21.08.2015)

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/pocketstory-online-kiosk-fuer-einzelne-texte-gestartet-a-1034916.html (aufgerufen am 26.08.2015)

https://www.pocketstory.com/ (aufgerufen am 26.08.2015)

https://blendle.com/de/ (aufgerufen am 21.08.2015)

http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/readly-im-test-das-taugt-die-digitale-zeitschriften-flatrate-a-999449.html (aufgerufen am 26.08.2015)

http://meedia.de/2014/10/27/blendle-gruender-wir-sind-nicht-google-oder-apple-die-verlage-auspressen-wollen/ (aufgerufen am 26.08.2015)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen