Freitag, 29. Juli 2016

Para-Soziale Interaktion.

Dieser Artikel fasst das Vox Video "Kim Kardashian's greatest Talent" zusammen.

Kim Kardashian verdiente 2015 laut Forbes 52,5 Millionen Dollar. Wenn man fragt, was sie eigentlich genau macht, wird lächelnd mit den Schultern gezuckt. Bei It-Girls, generell Menschen, die ihr Geld mit ihrem Lebensstil verdienen, ist es en vogue, darüber zu stehen und zu scandieren, dass man sich nicht dafür interessiert. Zu den Medien-Omni-Präsenten Kardashians gibt es sogar eine Chrome Extension, die sämtliche Inhalte entfernt, in denen dieser Name vorkommt.

Was immer man von IT-Girls hält, es lohnt sich, doch einmal genauer hinzuschauen. Sie sind stimmgebende Stilikonen mit Millionen von Fans. Die Haupteinnahmen des Medien-Stars setzen sich zusammen aus: Auftritten, Sponsorings/Werbeverträgen und ihres sehr erfolgreichen Appspiels. Warum ist es für Werber interessant, Frau Kardashian zu buchen?



Heutzutage werden wir regelrecht unter Werbung begraben. Die schiere Masse an Werbung hat uns darauf trainiert, dass wir erkennen, wann uns etwas verkauft wird und diese Werbung dann ausblenden. Auch ohne Adblocker schaffen es Leute, blinkende gif-Banner am Rand eines Nachrichtenartikels zu ignorieren und wenn der Nachrichtenartikel selbst ein nur dünn getarnter Werbetext ist, kann eine Zeitschrift an Ansehen verlieren, obwohl gesponsorter Journalismus seine Berechtigung hat.


Kim Kardashians Berühmtheit fußt in erster Linie auf ihrer vorgegaukelten Nähe. Sobald die Berühmtheit erlangt ist, heißt es nun, sie positiv zu vermarkten und im Fokus zu halten. So machen anderen Stars den Fehler und lassen ihre PR-Abteilung ihren Twitter-Feed oder ihre Facebookseite füllen. Fans dieser Menschen möchten das Gefühl haben, ihren Idolen zu folgen, in ihr Leben hineinzuschauen, besonders, wenn sie auf vielen sozialen Medien aktiv sind und so eigentlich einen Einblick in ihr unmittelbares Erleben gewähren. Wenn ihr Idol dann in einem perfekt ausgeleuchteten Studio sitzt und behauptet, einen bestimmten Energydrink jeden Tag zu sich zu nehmen, bleibt die Barriere und man weiß, dass man nur eine Werbung schaut.

Kim Kardashian beschwert sich in ihrem Twitter-Feed auch gern mal mit ein paar zu viel Smileys oder Rechtschreibfehlern über Kleidungsmissgeschicke und eine schlecht durchschlafene Nacht. Sie sorgt für nahbaren Gesprächsstoff und wenn sie dann darauf hinweist, wie bequem nach einem Training im Studio X diese tolle neue Massageliege namens Y ist, ein Foto von sich auf einer gesponsorten Liege postet - dann glaubt man ihr eher.
Durch ihre persönlichen Tweets, die fast als Gespräch mit dem einzelnen Follower wahrgenommen werden - eine vorgegaukelt Pseudo-Freundschaft - entsteht eine komplett einseitige Beziehung. In ihrem Paper Mass Communication and Para-Social Interaction beschreiben D. Horton und R. R. Wohl diesen Effekt als Para-Soziale Interaktion. Der Begriff ist nicht neu. Schon in den 50gern wurde er verwendet, um die projizierte Intimität zwischen TV-Persönlichkeiten und dem Publikum zu beschreiben.
Die vielen Fans sind blind dafür, dass fast jedes Foto etwas gesponsortes enthält - der idealisierte Lebensstil macht für einige Fans sogar das Maskottchen-Sein zu einer erstrebenswerten Idolisierung. "Wär ich so berühmt, müsse ich nie wieder etwas für Make-up ausgeben". Kardashian wirkt nahbar, obwohl sie mit einem Heer an Stylisten alles andere als das ist.

Davon können andere digitalen Werber lernen - und haben das auch, wie Werbeverträge mit Instagram-Sternchen, Youtubern und anderen sozialen Medien-Talenten beweisen.

Quelle:
Vox: Kim Kardashian's greatest talent

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