Dienstag, 28. Februar 2017

Offset-Druck: Überblick

Offsetdruck ist ein präzises, schnelles und auf Masse günstiges Druckverfahren. Das Motiv wird über einen Zwischenträger flach (Papier und Farbe bilden haptisch eine Ebene) auf das Druckmedium gegeben - weswegen Offsetdruck als indirektes Flachdruckverfahren gilt.

In diesem Erklärvideo sieht man eine hochwertige, moderne Offsetmaschine im Einsatz:

Sappi (Großproduzent von Papieren) erklärt das Offsetdruckverfahren

Die Druckplatten 

Im Offsetdruck benötigt man für jede Farbe eine eigene Druckplatte. Für gewöhnlich vier Stück (Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz) - weitere Druckplatten können für Sonderfarben, zum Beispiel Gold oder eine speziell gemischte Firmenfarbe, und Lacke genutzt werden.

Diese Druckplatten werden in der Offsetmaschine auf einen Zylinder - dem Druckformzylinder - gespannt. Feuchtwalzen befeuchten den Druckformzylinder im Druckvorgang mit Wasser. Überall dort, wo gedruckt werden soll, perlt die Feuchtigkeit durch die spezielle Beschaffenheit der Druckform ab. An diesen Stellen wird Farbe aufgenommen. Genau wie die Feuchtwalzen vorher Wasser auftragen, trägt unmittelbar nach ihnen die Farbwalze(n) Farbe auf.

Druckplattenherstellung

Offsetdruckplatten bestehen aus 99,9% reinem Aluminium, das extrem hohen Qualitätsanforderungen standhalten muss. In seltenen Fällen werden auch Papier- oder Polysterfolie als Druckplatte genutzt. Die Platte wird mit einer lichtempfindlichen Schicht versehen.
Früher geschah die Belichtung über ein Negativ: Eine Folie, die überall dort kein Licht durchlässt, wo das Motiv ist (z.b. eine mit undurchlässigem Schwarz bedruckte transparente Folie). Diese Folie wurde auf die lichtempfindliche Schicht der Druckplatte gelegt und das ganze mit ultraviolettem Licht beschienen. Es fand eine chemische Reaktion statt, durch die sich die Eigenschaften der Kunststoffschicht dort änderten, wo Licht hinfiel: Der dem Licht ausgesetzte Bereich wurde unlöslich. Wusch man die Aluminiumplatte ab, entstand dort ein Relief, wo der Belichtungsfilm dunkel war. Nach dem Auswaschen wurde die ganze Platte noch einmal nachbelichtet, um auch die ausgewaschenen Stellen auszuhärten und damit widerstandsfähiger zu machen.
In neueren Verfahren umgeht man einzelne Schritte. Z.B. wird das Motiv punktweise direkt auf die Platte "gedruckt" statt mit einer Folie zu arbeiten. Auch der Schritt des Auswaschens kann wegfallen, weil ein Material verwendet wird, das "abgesaugt" statt weggewaschen werden kann, was den Prozess schneller gestaltet (aber aktuell noch teurer).


Offsetschema

Der mit Farbe und Wasser bespielte Druckform-Zylinder überträgt das Motiv der Druckplatte auf einen Gummituchzylinder, der die Farbe auf den Bedruckstoff überträgt. Durch das indirekte Druckverfahren bekommt man eine höhere Auflage aus der Druckplatte und kann unterschiedlichste Bedruckstoffe nutzen.

Druckfarben

Für den 4-Farb-Druck in CMYK (Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz) werden 4 Farbwerke mit jeweils einer (üblicherweise sehr zähflüssigen) Volltonfarbe bespielt. Dabei kommt die Farbe tatsächlich aus einem dem Druckwerk zugeschalteten Farbtank oder wird mit einem Spachtel aufgetragen. In sehr hohen Auflagen und hochpreisigen Druckmaschinen wird die Farbe sogar in unterschiedlicher "Dicke" über die Farbrolle verteilt - je nachdem, wo mehr Farbe benötigt wird.
Damit die Farbe gleichmäßig und streifenfrei aufgetragen wird, gelangt sie über mehrere unterschiedlich bespannte Walzen zum Druckwerk.

Wie die Farbe zusammengesetzt ist (Pigmente + Bindemittel + Additive) hängt davon ab, auf welchem Bedruckstoff gearbeitet wird - wie viel Wasser im Druckprozess im Einsatz ist, wie schnell die Farbe übertragen werden muss / wie flüssig sie sein darf. Ein Bedruckstoff, der mehr saugt (z.B. ein ungestrichenes Naturpapier) benötigt im Offsetverfahren eine andere Grundfarbe im Farbwerk als ein gestrichenes Bilderdruckpapier.
Heutzutage gibt es umweltfreundlichere Methoden, Farben herzustellen: Statt des früher häufig genutzten Mineralöls kann man heute pflanzliche Öle verwenden.

Eine große Rolle spielt auch die Trocknungszeit der Farbe. Bei der Massenproduktion, bei der die Druckbögen übereinander gelagert werden, muss die Farbe sehr schnell trocknen. Früher wurde das mit einem zusätzlichen Arbeitsschritt, bei dem eine Art Schutzpulver aufgesprüht wurde, gewährleistet. Je nach Farbart ist das heute immer noch so - spezialisierte Verfahren machen es möglich, diesen zusätzlichen Schritt auszulassen, weil die Farbe besonders schnell wischfest ist. Dieser Punkt spielt auch bei Lebensmittelverpackungen eine große Rolle. Zum Beispiel dass die Farbe möglichst schnell und tief durchgetrocknet wird, um keinen Einfluss auf den Inhalt der Verpackungen haben zu können und zusätzliche Chemikalien im Druckprozess zu vermeiden.

Papier

Rollen- oder Bogenoffsetdruck beschreibt, in welcher Form das Papier zugefügt wird. Offset ist generell ein Verfahren für höhere Druckauflagen - dabei liegt Bogenoffset (einzelne Papierbögen) bei etwa 1000 - 50.000 Exemplaren und Rollenoffset in höheren Kategorien. Grenzen sind der Auflage dort gesetzt, wo die Druckplatte abgenutzt ist (das kann eine Auflage bis zu 1.000.000 sein). Bei höheren Auflagen kommt das Papier von einer Rolle. In dem Verfahren kann eine größere Geschwindigkeit erreicht werden, weil u.a. das Aufnehmen und genaue justieren jedes Bogens weg fällt.
Bei hohen Auflagen gilt das Papier als größter Kostenfaktor in der Herstellung.
Häufig genutzte Papiere sind:

Zeitdrucksdruckpapiere 

  • Vorteile: günstig, hoher Anteil von recycelten Altpapier
  • Neichteile: neigt zur Vergilbung, sehr dünn, Bilder in gröberen Rastern
  • Haupteinsatz: Zeitungsdruck und Werbebeilagen

SC (Super Calandered)-Papier

  • Hoher Füllstoffanteil, ungestrichen, trotzdem Glanz, glatte Oberfläche und sehr gute Bildwiedergabe
  • Haupteinsatz: Magazine, Zeitschriften, Prospekte, Kataloge

LWC-Papier (Light Weight Coated)

  • Sehr geringes Gewicht (40-80 g/m2), hoher Weißegrad, beidseitig gestrichen
  • Hohe Seitenzahl, scharfe Bildwiedergabe, geringes Gewicht
  • Mode-, Reiseprospekte, Kataloge, hochwertige Magazine

Bilderdruckpapier (gestrichenes Papier)

  • 70-170 g/m2 (darüber = Bilderdruckkarton), auf unterschiedlichste Art gestrichen (farbig, mehrfach, matt, hochglänzend usw.) 
  • Für viele Druckverfahren geeignet, scharfe Bildwiedergabe, hochwertige Anmutung
  • Eingesetzt für: PR-Material, Magazine, Fachzeitschriften, Broschüren, Geschäftsberichte usw.

UCWF - Holzfreies, ungestrichenes Papier

  • Naturdruckpapiere, keine Bestreichung durch mineralhaltige Gemische, sehr geringer Holzanteil (stattdessen Zellstoff oder Mischung mit Zellstoff - welcher allerdings auch aus Holzfasern besteht)
  • Hochwertige, hoch-voluminöse Anmutung

Recyclingpapier

  • Jede Papiersorte aus 100% Altpapier vor weiterer Veredelung - weniger Energie/Wasserverbrauch, Schonung von Holzreserven
  • Altpapier wird gebleicht - trotzdem bleiben manchmal Farbrückstände, weswegen das Papier eine graue Anmutung haben kann

Zertifikate: 

Der Blaue Engel (Altpapier), FSC oder PEFC (Umweltschutzzeichen für schonenden Umgang mit Holz); Papiere, die diese Zertifikate erlauben, haben unterschiedliche Eigenschaften und Qualitätsstufen. Firmen, die viele Publikationen herausbringen und Nachhaltigkeit fördern wollen, sollten zu solchen Papieren und Druckereien, die umweltbewusst arbeiten, greifen. 

Formate

Papiere haben im industriellen Druckbereich andere Formate als die uns geläufigen DinA-Formate. Damit randlos gedruckt und weiterverarbeitet werden kann, sind die Bögen häufig etwas größer, dass nach dem Zuschnitt das Motiv tatsächlich auch bis zum Rand reicht. 
Ökonomisch ist es sinnvoll, mehrere Seiten auf einen Druckbogen zu bringen. So braucht man z.B. für eine Postkartensammlung nur 4 Druckplatten für den 4-Farbdruck, statt 4xX Druckplatten für jede Postkarte einzeln und kann den Druckformat-Karton am Ende auf DinA6 schneiden. 
Viele Onlinedruckereien gewährleisten auf diese Art auch ihre sehr günstigen Preise für Kleindrucke (Postkarten, Visitenkarten) - weil diese häufig den sonst ungenutzten Rand anderer Druckprojekte füllen.



Während des Druckvorgangs überprüft ein Druckereimitarbeiter immer wieder die Qualität der Drucke und nimmt Feinjustierungen vor.

Der Offsetdruck wird beständig weiterentwickelt. Von den ersten Maschinen um 1904, über die erste Rollenoffsetmaschine 1912, wird heute mit wasserlosem und UV-Offsetdruck experimentiert, sowie im Bereich der Farben (elektronenstrahl-härtende Farben) geforscht, dass dieses Druckverfahren auch in Zukunft relevant bleiben wird.


Quellen: 

Druckplatten: Archivierte Seite "Druckhandwerk.de" Version vom 10. Februar 2013 (Archiv aufgerufen am 27.02.2017)

Digitaldruck.info

Papier: kroegerdruck.de aufgerufen am 26.02.2017

Farben: Laser-line aufgerufen am 26.02.2017

Wikipedia  25.02.2017

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