Freitag, 31. März 2017

Artikelzusammenfassung: The fight over the Doves, The Economist

Im Dezember 2013 veröffentlichte The Economist eine packende Typografie-Geschichte, die wir hier zusammenfassen.

Über mehrere Monate von 1916-1917 entsorgt der Drucker und Buchbinder Thomas Cobden-Sanderson heimlich Drucktypen der Schriftart Doves Type. Er versenkt die Lettern in der Themse. Seine Druckerei Doves Press hat die exklusiven Rechte an der Schriftart - nur gehörte ihm die Druckerei nicht alleine.

Wikimedia Commons: Public Domain Bild der Doves Press Bibel (1903-1905)
Originalquelle: Library of Congress


Einhundert Jahre später rekonstruiert Robert Green die Schriftart. Die Lettern sind verschollen, aber Bücher in der originalen Doves Schriftart existieren noch. Nur verhindert das mechanische Buchdruckverfahren, dass Green die Schrift einfach nachzeichnen kann - kein Abdruck gleicht exakt dem nächsten.


Die Doves Press geht aus der Arts and Crafts Bewegung hervor, deren bedeutendster Vertreter William Morris ist. Meisterhaftes Handwerk, reich illustrierte Bücher, Romantik des Mittelalters, darum geht es den Anhängern der Bewegung. Emery Walker hilft bei der Etablierung der Kelmscott's Press, welche die Bücher der Arts and Crafts Bewegung herausbringt. Die eigene Unternehmung mit Cobdon-Sanderson strebt eher danach, traditionelle aber sehr saubere, hochqualitative, schlichte Buchdruckkunst zu produzieren. Das 3-Jährige Projekt der Dove Press English Bible wird im Vorfeld an Abonnenten verkauft - bald hat die Dove Press schon 7 Mitarbeiter. Heutzutage ist eine Bibel aus der Dove Press bis zu 30.000 Dollar wert.

Worüber Walker und Cobdon-Sanderson wirklich aneinander geraten, obwohl ihre Druckerei so erfolgreich ist, herrscht Widerspruch. Einerseits ist Walker so vielseitig eingebunden, dass er wenig Zeit in der Presse verbringt und Cobdon-Sanderson glaubt, all die Arbeit alleine machen zu müssen. Andererseits lässt sich Cobdon-Sanderson von niemandem reinreden. Er beschreibt sich selbst als fanatischen Visionär und wird - so interpretiert man seine späteren Tagebucheinträge - von Depressionen heimgesucht.
Walker schlägt das Angebot aus, beim Auflösen der Druckerei die Rechte für die Schriftart komplett Cobdon-Sanderson für Geld zu überlassen. Ein Mediator vermittelt, dass Walker die Rechte an der Schriftart bekommt, wenn Cobdon-Sanderson stirbt.

Statt irgendwem seine leidenschaftliche Arbeit anzuvertrauen, versenkt Cobdon-Sanderson nach einigen Jahren Grübeln die Schrifttypen, die Urformen - alles in der Themse und löst dann die Druckerei offiziell auf. Nicht, ohne in der letzten Publikation darauf hinzuweisen, dass es von nun an auch die Schriftarten nicht mehr gibt.

Nach seinem Tod einigen sich seine Witwe und Walker außergerichtlich. Auch wenn Walkers Verlust dadurch gemildert wurde - die Schriftart blieb verschollen. Bis 2013.

Heute kann man die 2016 aktualisierte Schriftart schon für 40 Pfund erwerben.


Quellen
The Economist: Fight over the Doves, 19.12.2013, , aufgerufen am 16.03.2017
Wikipedia: Doves Press aufgerufen am 29.03.2017
typespec: Doves Type aufgerufen am 29.03.2017

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