Mittwoch, 22. März 2017

Papier 1: Geschichte und Herstellung

Heute schmunzeln wir über die Vorhersage, dass die Faxmaschine einst den Briefwechsel ablösen sollte oder Handys nicht überlegen würden, da es an jeder Ecke Telefonzellen gab. Ähnlich sieht es mit Hypothesen aus, dass Papier im Zeitalter der Digitalisierung an Bedeutung verliert.
Das Gegenteil ist der Fall. Tatsächlich verbraucht Deutschland mit 249kg Papier pro Einwohner mehr Papier als jedes andere Land. Die USA sind mit 229kg pro Kopf an zweiter Stelle (stand 2012). Absolut verbraucht China das meiste Papier und Pappe - auf die Bevölkerung gerechnet relativiert sich das wieder, obwohl China auch über dem weltweiten Durchschnitt von 57kg pro Kopf liegt.
Die überraschend hohen Zahlen in Deutschland haben auch eine positive Seite: 99,4% der hier genutzten Papierverpackungen werden recycelt.

Papier ist ein wichtiger Bestandteil unserer Kommunikation und unseres Handels. Wir werden im Rahmen unserer Reihe zum Thema Druck genauer auf Druckpapiere eingehen. Hier zeigen wir einen kurzen Abriss über die Geschichte des Papiers allgemein.

Papiergewinnungsprozess von Hand in einer traditionsreichen chinesischen Papiermühle vom Kanal China uncensored.


Im Kunstunterricht wird gerne gezeigt, dass im antiken Ägypten auf Papyrus gezeichnet wurde. Papyrus ist zwar eine papierähnliche Substanz, wird aber direkt aus einer Pflanze gewonnen. Für Papier werden die Eigenschaften der Pflanzen- und Stofffasern im Herstellungsprozess verändert, während Papyrus nur getrocknet und gepresst wird.

Der Ursprung des Papieres, wie wir es kennen, stammt aus der Zeit der Han Dynastie in China und wird dem Erfinder Cai Lun (50-121 n. u. Z.) zugesprochen, obwohl das älteste erhaltene Stück Papier eine Karte aus der Gansu Provinz (datiert auf 179 bis 41 v. u. Z.) ist. Man geht davon aus, dass Cai Lun den Prozess deutlich verbessert hat und somit als Erfinder des Papiers gilt.
Der Bedarf an Papier war in China schon immer hoch. Während unseres Mittelalters florierte in China bereits das Drucken auf Papier und manche Präfekturen konnten ihre Zahlungen in Form von frischem Papier leisten - ganz abgesehen davon, dass es in China bereits Papiergeld gab.

Mechanisiert wurde der Herstellungsprozess wahrscheinlich im 8. Jahrhundert in Bagdad. In den islamischen Ländern standen Papier und Schreibmedien aus Tierhaut (u.a. Pergament) lange gleich hoch im Kurs.

In Europa ging es erst um 1100 los mit der Papierherstellung. Über den islamischen Teil Spaniens gelangte die Technologie nach Frankreich (1190), Italien (Fabriano, 1276), die Niederlande (1240) und Deutschland (1290). Die Region Fabriano hat eine noch heute aktive Marke an sehr hochwertigen Kunstpapieren hervorgebracht. Fabriano wird auch zugeschrieben, das Papier auf einen so hohen Qualitätsstandard gebracht zu haben, dass es Pergament ablösen konnte.

Materialien + Industrialisierung 

Papier wurde lange Zeit hauptsächlich aus gebrauchten Textilien, eher Lumpen hergestellt - von Fischernetzen zu getragener Kleidung. Die Grundfasern waren also Hanf, Leinen und Wolle. In China wurde vor der Verfeinerung der Papierherstellung auch auf Seide geschrieben, was aber viel zu teuer war. Papier zu recyclen wurde erst ab 1774 interessant, als der Justus Claproth eine Methode erfand, Drucktinte aus dem Papier zu ziehen (Deinking), bevor es in neue Fasern umgewandelt wurde.
1843 erst wurden Holzfasern als Grundbestandteil hinzugefügt, was die Produktionsmenge erheblich vergrößerte, weil man auf einen viel weiter verbreiteten Rohstoff Zugriff bekam. Wirtschaftlich noch rentabler wurde Papierherstellung im 19. Jahrhundert durch den Umstieg von Wassermühlen auf Dampfkraft.

Heute besteht hochwertigeres Papier hauptsächlich aus Zellstoff, das in sehr viel Wasser zerfasert wird (und in der Industrie Zeug oder Stoff genannt wird). Ein Sieb wird in die Masse getaucht, fängt Fasern auf. Es wird über dem Bottich geschwenkt, dass sich die Fasern möglichst gleichmäßig übereinander lagern, während ein Teil des Wassers abtropft. Das Blatt wird getrocknet. Um die Oberfläche zu schließen, erfolgt die Leimung mit Harzen, Paraphinen, Leimen oder Wachsen.
Der Prozess der Papierherstellung ist extrem vielfältig: von der Verwendung von Altpapierfasern (häufig bis zu 6mal wiederverwendet) über den Zusatz von Chemikalien zur Veränderung der Eigenschaften (z.b. Bleiche). Insgesamt arbeiten in Deutschland in dem Sektor etwa 121.000 Menschen. (2012)

Quellen:
wwf: Papierverbrauch, aufgerufen am 15.03.2017
statista: Papierverbrauch, aufgerufen am 15.03.2017
Wikipedia: Papermaking, aufgerufen am 20.03.2017
Wikipedia: Papierherstellung aufgerufen am 20.03.2017
Umweltbundesamt: Zellstoff- und Papierindustrie aufgerufen am 21.03.2017

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