Mittwoch, 1. März 2017

Siebdruck: Überblick

Der Siebdruck ist ein Durchdruckverfahren, bei dem Farbe durch ein feinmaschiges Gewebe auf einen Bedruckstoff gepresst wird.
Die besondere Stärke des Siebdrucks ist die Nutzung unterschiedlichster Farben (von deckendem Weiß bis zu edelmetallhaltigen, elektronisch leitfähigen Pasten) und das Bedrucken ungewöhnlicher Untergründe - inklusive nicht-planer Untergründe wie Flaschen und Gerätegehäuse. Das Druckverfahren kann voll automatisch durchgeführt werden oder mit unterschiedlichem Grad an Automation von Hand in kleineren Auflagen. Bedruckt wird von Postern über Tshirts und Werbeartikeln alles bis hin zu Tapeten. Siebdruck gilt im Vergleich zum Offsetdruck als ein langsames Druckverfahren.

Jeden Schritt in der konventionellen Siebdruckherstellung kann man in diesem Werbevideo frd Siebdruckversandhändlers Ryonet gut nachvollziehen:


Das Sieb

Für jede Druckfarbe innerhalb eines Projektes wird ein eigenes Sieb benötigt. Durch geschickte Aufrasterung des Motivs können die 4 Grundfarben ausreichen - empfohlen sind aber eher Volltonfarben, weil Siebdruck häufig eine viel gröbere Rasterung aufweist, bei der die Farbpunkte schneller sichtbar werden und der Moiré-Effekt stärker zur Geltung kommen kann.

Die Siebe sind Metall- oder Holzrahmen, die sehr straff mit einem höchst gleichmäßigen, feinmaschigen Gewebe bespannt sind. Gröbere Siebe (größere "Löcher" zwischen den Fäden) erlauben die Arbeit mit dickflüssigerer Farbe und generell einem dickeren Farbauftrag, was für den Textildruck notwendig ist. Je feinmaschiger das Gewebe, desto detaillierter können die gedruckten Bilder werden.
Neben Sieben gibt es für den Rotations-Siebdruck Zylinder (Rotamesh), die mit feinen Öffnungen ähnlich wie ein Gewebe versehen sind und im industriellen Etiketten- und Textildruck verwendet werden. Auf einer Herstellerseite kann man einen Blick auf solche Zylinder im Einsatz werfen.

Die Feinheit eines Gewebes wird mit Faden pro Zentimeter - FpZ (im Industriellen Bereich Maschen Pro Inch oder Meshzahl) angegeben. Die Dichten reichen für den allgemeinen Einsatz von 5 - 200 Fäden pro Zentimeter. Welche Fadendichte man benötigt, hängt von der Dicke der Farbe, dem Bedruckstoff und der Feinheit des Motivs ab.

Nicht nur die Anzahl der Fäden pro Zentimeter bestimmt die Durchlässigkeit des Siebes, auch wie dick die Fäden sind, ob sie aus mehreren Strängen bestehen oder nur einer Faser. Die Fadendicke wurde früher z.B. mit S (small) oder T (thick) angegeben. Heutzutage greift man auf die genaue Bezifferung der Fadendicke in Mikrometer zurück (31 Statt S)

Siebvorbereitung

Siebe sind relativ teuer und werden für gewöhnlich mehrfach verwendet. Häufig scheinen ältere Motive durch - ihre Druckfarbe hat das Sieb dort eingefärbt, wo die Druckfarbe durchgedrückt wurde. Bei richtiger Handhabe sollte das keinen Einfluss auf neue Motive haben.
Im Siebdruck wird eine ganze Menge gewaschen und geputzt - und so beginnt auch das Anlegen eines neuen Druckmotivs mit der gründlichen Reinigung, Entschichtung (altes Motiv - die Schablone runter) und Entfettung (damit das neue Motiv perfekt haftet). Für jeden dieser Arbeitsschritte werden eigene Chemikalien benötigt.

Sobald das Sieb getrocknet ist, kann man entweder manuell die Druckform auftragen (direkt auf das Sieb "Malen"), viel gebräuchlicher ist jedoch eine fotografische Schablonenerstellung.
Das Sieb wird mit einer lichtempfindlichen Schicht versehen. Das zu druckende Motiv wird in Schwarz auf eine transparente Folie gedruckt. Statt zu drucken kann man die Folie auch mit Lackstiften oder lichtundurchlässiger Farbe bemalen. Dieses Negativ wird auf dem Sieb befestigt und geht in einen Belichter. Überall dort, wo UV-Licht hingelangt, härtet die lichtempfindliche Schicht aus. Einmal mehr geht das Sieb in die (industrielle) Dusche, wo die UV-Schicht überall dort aus den Maschen gespült wird, wo das Negativ diese vor Aushärtung geschützt hat. Kurzum: Wo Schwarz auf der Folie war, geht nun Farbe durch's Sieb. Das Motiv muss spiegelverkehrt auf dem Sieb sein.
Ebenfalls eher im künstlerischen Bereich liegen Indirektschablonen: physische Schablonen, die auf dem Sieb aufgebracht werden und Löcher enthalten, wo die Farbe durchkommen soll.

Siebdruckmaschinen

Das Sieb wird in einer Druckmaschine fixiert. Sowohl zu bedruckende Bögen / Textilien / Gegenstände als auch Sieb nehmen in jedem Vorgang exakt dieselben Positionen ein, damit bei einer nächsten Farbschicht so passgenau wie möglich gedruckt werden kann.
Siebdruckmaschinen haben unterschiedliche Grade an Automation. Von der reinen Funktion des Fixierens, bei der jeder weitere Arbeitsschritt von Hand ausgeführt wird (Einlegen des Bedruckstoffes, Auftrag + Rakeln der Farbe) bis hin zu vollautomatischen Maschinen.

Während des Drucks zieht man einen Rakel (ein fest eingespanntes, ebenes Gummistück) über die gesamte Breite des Motives. Erst mit wenig Druck wird die Farbe über das Sieb verteilt (das Sieb wird geflutet) und füllt die Maschen auf und auf dem Rückweg mit viel Druck, bei der das Sieb auf den Bedruckstoff runtergedrückt und die Farbe durch die Maschen gepresst wird. Die nicht durchgedrückte Farbe ist wieder am Ende des Siebes und kann zum erneuten Fluten und Drucken genutzt werden.

Ein besonderes Einsatzgebiet des Siebdrucks ist das Bedrucken von Leiterplatten, auch wenn die immer kleiner werdenden elektronischen Komponenten den Siebdruck in diesem Gebiet am Limit sehen. Dank der Vielfältigkeit der zu nutzenden Farbe, kann man auch strumleitender "Druckfarbe" drucken, um elektrische Regler


Quellen:

Wikipedia: Siebdruck, aufgerufen im Februar 2017

Definition von Meshzahl auf millersiebdruck.de, aufgerufen am 28.02.2017

Kommerzielle Infoseite zum Thema Siebdruck in der Elektronikindustrie, aufgerufen am 23.02.2017

Youtubekanal des Siebdruck-Versandhandels Ryonet, aufgerufen im Februar 2017

Siebdruck-Anleitung für zu Hause von siebdruckland.de, aufgerufen am 28.02.2017

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen