Mittwoch, 15. März 2017

Verwendung von Stockfotos

Stockfotos und -grafiken  sind "Bilder auf Lager" (in stock). Die Arbeit des Fotografen/Grafikers/Illustrators ist bereits getan und das Ergebnis - das Foto - kann nun in einer Online-Bibliothek abgefragt werden.


Für diesen Artikel nutzen wir ein Stockfoto von gettyimages. Gettyimages erlaubt nicht-kommerziellen Blogs, Bildmaterial einzubetten. Das heißt, dass wir in einem Frame, der direkt von gettyimages bespielt wird, den Inhalt anzeigen dürfen. Dazu wird gleich die richtige Bildbeschreibung, der Urheber und die Quelle genannt.
Würden wir das oben gezeigte Autorenfoto für eine kommerzielle Arbeit nutzen wollen, kostet es einmalig je nach Größe zwischen 50 bis 560 Euro (stand  13. 03. 2017). Unterschiedliche Urheber und Quellen haben unterschiedliche Lizenzverträge mit gettyimages.


Wann nutzt man Stockfotos?

Die Vorteile liegen auf der Hand: Häufig eine große, sofort abrufbare Auswahl und günstiger als Auftragsfotografie. Der Kunde sieht vor dem Kauf eines Bildes schon das fertige Produkt (zum Schutz des Verkäufers in kleiner Auflösung mit großem Wasserzeichen).
Auch dafür eignet sich Stockfotografie: 'Visuelle Auffüllung': Es steht noch nicht fest, welches Bild am Ende genutzt werden soll? Auf Stockfotoseiten kann man erst mal Layoutbilder zum Austesten herunterladen und sich am Ende entscheiden. Häufig sind Stockfotos großer Seiten gefällig und professionell angelegt: Sie stellen häufig den kleinsten gemeinsamen Nenner eines Themas dar, was in Projekten mit großen Entscheidungsgremien viel Frust nehmen kann.
Ein dritter Punkt ist aufwändige Spezialisierung: Was, wenn man ein Symbolbild eines hohen Bergs benötigt, eine elektronenmikroskopische Aufnahme oder Bebilderung für einen Newsfeed aus der ganzen Welt? Auch für Sonderfälle findet man bei (teilweise stark spezialisierten) Stockfotoanbietern and Medienagenturen Lösungen.

Wann sollte man eigenes grafisches Material in Auftrag geben?

In all den Vorteilen versteckt sich auch gleich ein Nachteil:
Um einen möglichst großen Markt zu bedienen, sind Stockfotos selten kreative Lösungen, sondern möglichst gefällige Darstellungen - kaum extreme Perspektiven oder künstlerische Ausdruckskraft. Selten findet man ein Bild, das genau das ausdrückt, was man sich vorstellt.
Ein Bild, das man Tausendmal in unterschiedlichen Varianten gesehen hat, wird zum Hintergrundrauschen (die ethisch diverse Gruppe Menschen in Businessanzügen, die vor unbestimmtem Hintergrund freundlich, toll ausgeleuchtet und perfekt gestylt in die Kamera schaut oder die attraktiven Callcentermitarbeiter mit bester Laune). Auch wenn man auf visuelle Inhalt angewiesen ist, um überhaupt wahrgenommen zu werden, bringt ein Einheitsbreibild keine zusätzliche Aufmerksamkeit.
Bevor man jedoch aus Budgetgründen zu schlechter Qualität greift, sollte man in den meisten Fällen ein Standardbild bevorzugen. Ausnahmen sind hier Projekte, bei denen zu viel Professionalität Misstrauen weckt. Manchen Wohltätigkeitsinitiativen wird Geldverschwendung vorgeworfen, wenn ihre Werbe- und Informationsmaterialien zu aufwändig wirken und wenn ein Kindergarten mit einem Hochglanzflyer um spenden bittet, könnte das zu weniger Erfolg führen.
In einem hoch spezialisierten Feld kommt es zudem vor, dass Mitbewerber auf dieselben Bilder zugreifen werden.

Wie findet man das richtige Stockfoto

Mit möglichst genauen Suchbegriffen wird man bei den großen Anbietern schnell fündig. Wenn man das Themengebiet eingrenzt (aktuelle journalistische Arbeit zum Beispiel), kann man sich auch bei spezialisierten Agenturen - wie in diesem Fall Reuters oder der dpa - umsehen.
Man wählt inhaltlich und gestalterisch passend aus: Wurde ein Styleguide für Fotos entwickelt, sollte man nach diesen Kriterien entsprechenden Bildern Ausschau halten. Bei allgemeinen Suchanfragen kann man diesen Angaben meist noch gerecht werden, aber bei spezifischen Bildwünschen muss man nehmen, was der Anbieter auf Lager hat.

Kostenmodelle

Je nach Bedarf des Auftraggebers gibt es unterschiedliche Bezahlmodelle. Große Agenturen bieten für einen Festbetrag eine bestimmte Anzahl Bilder oder "Credits", die gegen Bilder eingetauscht werden können, an. Firmen, die häufig Stockfotos benötigen, schließen meist gleich eine Abo ab.
Bilder, die nicht lizenzfrei sind, unterliegen besonderen Bestimmungen. Dort bestimmt häufig die genutzte Größe, der Umfang (nur für eine Broschüre, die lokal verteilt wird oder für eine globale Werbekampagne?) und der Zeitrahmen eine Rolle.
Möchte man ein Bild exklusiv nutzen, wird das meist sehr teuer (und in einigen Fällen ist das auch gar nicht möglich, wenn das Bild bereits im Internet war / von anderen Kunden gekauft wurde.)

Lizenzfrei
Bei einem lizenzfreien Bild wird (je nach genauen Lizenzbedingungen) eine einmalige Zahlung fällig. Daraufhin darf das Bild meist zeitlich unbegrenzt, kommerziell und in verschiedenen Medien genutzt werden.

Gemeinfrei
Gemeinfreie Bilder sind Bilder, die entweder nie einem Urheberrecht unterlagen, deren Schutz abgelaufen ist oder die vom Urheber in die Gemeinfreiheit gegeben wurden. Was genau als gemeinfrei gilt, unterliegt nationalen Gesetzen. Der international bekannte Begriff der Public Domain und dem erweiterten Rechtesystem Creative Commons ist nicht deckungsgleich mit Gemeinfreiheit.

Public Domain
Im Prinzip ein "von Urheberrechten freies" Bild - im deutschen Rechtsraum ist das so nicht übertragbar. Selbst wenn man einem Nutzer sämtliche Nutzungsrechte unbegrenzt einräumt, bleibt in Deutschland das Urheberrecht beim Ersteller des Bildes. Sehr vorsichtig gesagt: Im englischsprachigen Raum ist ein Werk der Public Domain ähnlich wie ein gemeinfreies Bild nutzbar.

Creative Commons
Eine gemeinnützige Organisation, die Standard-Lizenzverträge zusammengestellt hat, unter denen Urheber ihre Werke im Netz veröffentlichen. Von komplett freier Nutzung, bis hin zur freien Nutzung mit Nennung des Namens und gar keiner Verbreitung findet man modular zusammstellbare Verträge.

Der Künstler Martin Mißfeldt hat diese Erklärungsgrafik zu den einzelnen Optionen der CC-Lizenzen zur Einbindung in Blogs freigegeben.

Eigene Stockfotos
Große Organisationen, die Voraussehen können, für was sie alles Bilder benötigen werden, legen häufig eigene Stockfotogalerien zur Nutzung für firmenrelevantes Material an. Vom ambitionierten Hobbyfotografen, der einer Gemeinde seine lokalen Landschaftsfotos zur freien Verfügung stellt bis hin zum einbestellten Eventfotografen für eine von einer Universität ausgerichteten Konferenz: So hat man Fotos für Jahresberichte, Broschüren und die Homepage auf Vorrat.

Andere Quellen
Mit der Google Bildersuche kann man ein Foto oder eine Grafik zwar finden, muss aber auf die Jagd nach den Urheberinformationen gehen und sichergehen, dass man die Rechte zur beabsichtigten Verwendung hat.
Günstige Quellen sind häufig wikimedia commons (dort aber ebenfalls die Urheberrechtsbestimmungen des Bildes beachten, die häufig mit einer bestimmten Creative Commons Lizenz angegeben sind) oder historische Archive, deren Inhalte in die Gemeinfreiheit übergegangen sind.

Quellen:
https://de.creativecommons.org/ aufgerufen am 8.3.2017
http://www.bildersuche.org aufgerufen am 9.3.2017
https://youtu.be/734AlQZOEU8 - Monsters of Law: Minenfeld Bildrechte, wikimediaDE via youtube, aufgerufen am 12.3.2017
https://youtu.be/9Yxp4CXSxX8- forumhannover: Foto- und Bildrechte in Sozialen Netzwerken (stand 2013), aufgerufen am 12.3.2017
Wikipedia: Stockfotografie, aufgerufen am 8.3.2017
Wikipedia: Gemeinfreiheit, aufgerufen am 8.3.2017



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